Materialien & Abdichtung

Bitumenbahn oder FPO? Tonpfanne oder Schiefer? Aufsparren- oder Zwischensparrendämmung? Hier sind die 8 wichtigsten Materialien erklärt - mit Kosten, Lebensdauer und Vergleich.

Bitumenbahn

Eine Bitumenbahn ist eine flexible Abdichtungsbahn aus Bitumen - einem Nebenprodukt der Erdölverarbeitung. Sie wird auf Flachdächern verlegt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Die Bahn wird entweder mit einem Gasbrenner aufgeschweißt (Schweißbahn) oder selbstklebend verlegt.

Auf einem Flachdach werden in der Regel zwei Lagen verlegt: eine Unterlagsbahn und eine Oberbahn. Die Oberbahn hat oft eine Schieferung oder Folienbeschichtung als UV-Schutz. Hochwertige Polymerbitumenbahnen (SBS oder APP) sind elastischer und langlebiger als einfaches Oxidationsbitumen.

Typische Zeichen für eine erneuerungsbedürftige Bitumenbahn: Risse in der Oberfläche, aufgeplatzte Nähte, Blasenbildung, Feuchtigkeit im Dachaufbau.

Bitumenbahn (Polymerbitumen), inklusive Einbau:
55 bis 105 Euro pro m²
Lebensdauer: 20 bis 30 Jahre
Vorteil: bewährt, günstig, weit verbreitet

Weiterführend: Flachdach Köln · Flachdach München · Flachdach Hamburg


FPO-Bahn

FPO steht für Flexible Polyolefin - ein Kunststoff, der speziell für die Dachabdichtung entwickelt wurde. FPO-Bahnen sind leichter als Bitumenbahnen, sehr UV-beständig und können recycelt werden. Sie werden mit Heißluft verschweißt, nicht mit einem Gasbrenner.

FPO-Bahnen sind einlagig - eine Lage reicht, weil das Material dichter und stabiler ist als Bitumen. Für Gründächer ist FPO besonders geeignet, weil die Bahn wurzelfest ist.

FPO-Bahn, inklusive Einbau:
80 bis 145 Euro pro m²
Lebensdauer: 30 bis 50 Jahre
Vorteil: leichter, langlebiger, recyclebar


PIB-Bahn

PIB steht für Polyisobutylen - ein synthetischer Kautschuk. PIB-Bahnen sind extrem elastisch: Sie dehnen sich bei Wärme aus und ziehen sich bei Kälte zusammen, ohne zu reißen. Das macht sie besonders geeignet für Dächer mit vielen Durchdringungen, Anschlüssen und Detailpunkten - zum Beispiel rund um Lichtkuppeln und Lüftungsrohre.

PIB-Bahnen werden kalt verlegt - ohne Gasbrenner oder Heißluft. In Deutschland weniger verbreitet als Bitumen oder FPO, aber in der Schweiz und Österreich Standard.

PIB-Bahn, inklusive Einbau:
90 bis 150 Euro pro m²
Lebensdauer: 30 bis 40 Jahre
Vorteil: sehr elastisch, gut für komplizierte Anschlüsse


Tonpfanne

Eine Tonpfanne ist ein Dachziegel aus gebranntem Ton - das älteste und bewährteste Deckungsmaterial für Steildächer in Deutschland. Der Ton wird bei über 1000 Grad gebrannt, was ihn hart, frostbeständig und langlebig macht.

In den Gründerzeitvierteln von Köln, Hamburg und München sind Tonpfannen der Standard. Viele dieser Dächer sind 80 bis 120 Jahre alt - und die Ziegel sind noch intakt. Nur die Lattung und die Unterspannbahn müssen erneuert werden.

Betonpfannen sind günstiger, aber weniger langlebig. Nach 30 bis 40 Jahren werden sie porös. In denkmalgeschützten Vierteln ist Ton oft Pflicht.

Tonpfanne, inklusive Einbau:
55 bis 130 Euro pro m² (je nach Qualität)
Lebensdauer: 80 bis 100 Jahre
Betonpfanne zum Vergleich: 38–68 €/m², 30–50 Jahre

Weiterführend: Dachsanierung Köln · Dachsanierung München


Biberschwanz

Der Biberschwanz ist ein kleiner, flacher Tondachziegel mit rechteckiger Form und abgerundeter Unterkante. Er wird in Doppeldeckung verlegt - jede Reihe wird von der nächsten überlappt, sodass zwei Lagen übereinander liegen. Das macht das Dach besonders dicht, aber auch teurer.

Biberschwänze sind in Süddeutschland - Bayern, Baden-Württemberg, Franken - weit verbreitet. In München, Stuttgart und Freiburg sind sie der Standard für historische Bauten. In denkmalgeschützten Vierteln ist der Biberschwanz oft Pflicht.

Biberschwanz-Eindeckung, inklusive Einbau:
65 bis 155 Euro pro m² (je nach Ausführung)
Lebensdauer: 80 bis 100 Jahre
Höheres Gewicht: 70–90 kg/m² (mehr als normale Pfanne)


Schiefer

Schiefer ist ein Naturstein, der in dünne Platten gespalten und als Dachdeckung verwendet wird. Er ist das langlebigste Deckungsmaterial überhaupt - ein gut verlegtes Schieferdach hält 100 bis 150 Jahre. In Deutschland wird vor allem Moselschiefer (aus der Eifel) und Thüringer Schiefer verwendet.

Neben Naturschiefer gibt es Kunstschiefer aus Faserzement (z.B. Eternit). Kunstschiefer ist günstiger, sieht ähnlich aus, hält aber nur 40 bis 60 Jahre. In denkmalgeschützten Vierteln ist Kunstschiefer oft nicht erlaubt.

Naturschiefer, inklusive Einbau:
85 bis 200 Euro pro m² (je nach Deckungsart)
Lebensdauer: 100 bis 150 Jahre
Kunstschiefer zum Vergleich: 55–90 €/m², 40–60 Jahre


Aufsparrendämmung

Bei der Aufsparrendämmung wird die Dämmung auf die Sparren aufgebracht - von außen, unter der neuen Deckung. Der Vorteil: kein Verlust von Innenraum, keine Wärmebrücken durch die Sparren, volle Dämmstärke erreichbar. Der Nachteil: aufwendiger und teurer als Zwischensparrendämmung, weil das Dach komplett neu gedeckt werden muss.

Die Aufsparrendämmung ist die beste Lösung, wenn das Dach ohnehin saniert wird. Sie erfüllt die GEG-Anforderungen problemlos und vermeidet Wärmebrücken.

Aufsparrendämmung, inklusive Einbau:
175 bis 345 Euro pro m² (je nach Stadt und Ausführung)
Dämmstärke: 160 bis 240 mm möglich
Vorteil: keine Wärmebrücken, kein Raumverlust

Weiterführend: Dachsanierung Köln · Dachausbau München


Zwischensparrendämmung

Bei der Zwischensparrendämmung wird die Dämmung zwischen die Sparren eingebracht - von innen, ohne das Dach neu zu decken. Das ist die günstigste und häufigste Methode beim Dachausbau. Der Nachteil: Die Dämmstärke ist durch die Sparrenhöhe begrenzt (meist 160–200 mm), und die Sparren selbst bilden Wärmebrücken.

Oft wird die Zwischensparrendämmung mit einer Untersparrendämmung kombiniert, um die Wärmebrücken zu reduzieren und die GEG-Anforderungen zu erfüllen.

Zwischensparrendämmung, inklusive Einbau:
140 bis 235 Euro pro m² (je nach Stadt und Ausführung)
Dämmstärke: begrenzt durch Sparrenhöhe
Vorteil: günstig, kein Eingriff von außen nötig

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